"Plötzlich Papa – Einspruch abgelehnt" sollte die Wende bringen

Die neue Serie "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" erzählt die Geschichte des erfolgreichen Rechtsanwalts Alex Degen (gespielt von René Steinke), der sexy Damenbegleitung ebenso schätzt wie seinen offenen Porsche, Schampus und die Pentehousewohnung. Völlig unerwartet erfährt Alex jedoch, dass er Vater ist. Dies führt zu einer Intrige, durch die Alex seinen guten Job ebenso verliert wie seine Wohnung und seinen gesellschaftlichen Status. Dafür hat er jetzt ein Baby. Sich von heute auf morgen auf ein neues Leben einzustellen, ist der Kern der Serie "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" vor dem Hintergrund einer Anwaltskanzlei.
"producers at work" oder eher "producers at copyshop" – ist "Plötzlich Papa" abgeschrieben?

Die seit 2004 in Entwicklung befindliche Serie "Was nun, Papa?" (kurz: WNP) erzählt eine identische Geschichte, wurde SAT.1 im selben Jahr angeboten und weist dieselbe dramaturgische Grundstruktur wie "Plötzlich Papa" auf. Auch bei WNP muß sich die männliche Hauptfigur namens Kai – ebenso verliebt in Schampus, offenen Porsche und sich selbst – von heute auf morgen des eigenen Kindes annehmen. Allerdings steht Kai nicht mitten im Berufsleben, sondern ist noch Student und von Beruf Sohn. Durch den Tod seiner Eltern erfährt er vom Konkurs des familieneigenen Bauunternehmen und verliert Porsche, Wohnung und gesellschaftlichen Status.

Ebenso wie Rechtsanwalt Alex muß sich Kai nicht nur von heute auf morgen um den grundlegenden Aufbau einer neuen, eigenen Existenz kümmern, sondern auch um seine sechsjährige Tochter Marie, die seine Exfreundin Mareike ihm ebenfalls von heute auf morgen vor die Türe setzt. Dies, um eigenen Karriereplänen in Italien nachzugehen. Das ältere Kind und die am Leben bleibende Mutter bieten jedoch einen größeren Handlungsrahmen. Die Ausgangslage beider Serien ist dagegen exakt dieselbe.

Die kleine Tochter von Alex mag wie ihr Vater Autos (ein Baby mag Autos!); Kais Tochter aus WNP baut familientypisch kleine Papierhäuser. Beide Kinder folgen damit Vorlieben ihrer Väter. Sowohl Alex als auch Kai fahren Porsche, von dem sie sich nicht trennen wollen. Hier wie da Einführung der Hauptfigur mittels Shoppingszenen. Beide Hauptfiguren wechseln ihr bisheriges Umfeld schon in der ersten Folge: Kai verliert Uni, Freundin, Wohnung, Elternhaus und Freundeskreis; Alex Degen Job in Kanzlei, Freundin, Wohnung, Kanzleijob und Kollegenkreis. Beide müssen sich in neuem Umfeld ein neues Leben aufbauen: Kai im Supermarkt, Alex in der Kreuzberger Anwaltsklitsche.

Alle Übereinstimmungen nur Zufall? Auch die Drehbücher der jeweils ersten Folge beider Projekte enden identisch: Zu sehen sind die Titelhelden von "Was nun, Papa?" und "Plötzlich Papa", die gefühlvoll allein mit ihren Töchtern in eine neue Zukunft schauen.
"Plötzlich Papa"auf SAT.1 weist massive handwerkliche Schwächen auf

Dass ein erfolgreicher Anwalt von heute auf morgen wegen der Intrige seiner Freundin gefeuert werden kann ist ebenso unglaubwürdig wie der Umstand, dass von seinem bis dahin sechsstelligen Einkommen urplötzlich nichts mehr da ist, er auf der Straße steht und er sofort einen neuen Job braucht. Die Charaktere wirken billig, unecht, gekünstelt und die Situationen, die sich entwickeln, konstruiert und wenig nachvollziehbar. "Plötzlich Papa" ist weder lustig noch dramatisch, weder richtig Anwaltsserie noch Familienserie. Tiefgang: Fehlanzeige. Die Glaubwürdigkeit von "Was nun, Papa?" (vorgesehener Hauptdarsteller: Florian Weber) fehlt.

Quotenmeter.de beurteilt in seiner Berichterstattung die schauspielerische Leistung des Titelhelden René Steinke bei "Plötzlich Papa" als hölzern. Steinke war lange Jahre als Kommissar neben Erdogan Atalay in "Alarm für Cobra 11" zu sehen und somit einer der Vorgänger des nach Einschätzung des Casters Sebastian Niemeyer schauspielerisch weit höherklassig einzustufenen Tom Beck.

Die Quoten der ersten Folgen belegen einen Flop: Nur 2,19 Millionen Zuschauer haben die erste Folge am 23. Oktober 2008 gesehen. Nur 1,57 Millionen Zuschauer insgesamt die Folge vom 13. November 2008! Dementsprechende 7,1 Prozent und 6,1 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe sind für den Sendeplatz zu wenig. Am 04. November 2008 wurde mit 1,29 Millionen Zuschauern ein neuer Tiefststand markiert.

Dieser Flop raubt "Was nun, Papa?" jede Chance, noch verwirklicht zu werden. Jahrelange Arbeit ist zerstört, der Schaden immens. Nach Ansicht von Sebastian Niemeyer wäre SAT.1 besser beraten gewesen, das Original zu kaufen anstatt eine hölzerne Kopie zusammenzuschustern. Kein guter Weg, um Geld einzusparen.

Dass SAT.1 sich offensichtlich dem Druck des Ursprungsautors beugt und die Serie nach Meldung vom 02. Dezember 2008 nach der Ausstrahlung von nur acht Folgen vorzeitig aus dem Programm nimmt, zeigt jedoch, dass sich SAT.1 des Verschuldens seiner Produktionsfirma bewußt zu sein scheint.
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